Was ist eine Rollenbahn? Funktionsweise, Bauformen und die richtige Auswahl
Rollenbahnen transportieren Kartons, Behälter, Werkstücke und andere formstabile Güter einfach und zuverlässig. Doch wie funktioniert eine Rollenbahn genau? Welche Rolle spielen Tragrollendurchmesser, Achsabstand und Belastbarkeit? Und welche Bauform eignet sich für welche Transportaufgabe? Ein kompakter Überblick über die wichtigsten Grundlagen und Entscheidungskriterien.
Was ist eine Rollenbahn?
Eine Rollenbahn ist ein Fördersystem, bei dem das Fördergut über mehrere hintereinander angeordnete Tragrollen bewegt wird. Sie eignet sich insbesondere für Stückgüter mit einer stabilen und ausreichend ebenen Unterseite, beispielsweise Kartons, Behälter, Kisten oder Werkstückträger.
Rollenbahnen kommen vor allem in der Produktion, in der Montage, im Lager und in der Logistik zum Einsatz. Sie können einzelne Arbeitsstationen miteinander verbinden, als Zu- oder Abführung dienen oder Produkte innerhalb eines Prozesses puffern und weiterleiten.
Mehr zur Einordnung von Rollenbahnen innerhalb der industriellen Fördertechnik lesen Sie in unserem Überblick zur Fördertechnik.
Wie funktioniert eine Rollenbahn?
Bei einer Rollenbahn liegt das Fördergut auf mehreren hintereinander angeordneten Tragrollen auf. Beim Transport drehen sich die Rollen unter dem Produkt und ermöglichen dadurch eine Bewegung entlang der Förderstrecke. Entscheidend ist, dass das Fördergut jederzeit ausreichend abgestützt wird und gleichmäßig über die Rollen laufen kann. Grundsätzlich gibt es Schwerkraftrollenbahnen und angetriebene Rollenbahnen, die jeweils für unterschiedliche Funktionsprinzipien und Einsatzbereiche stehen.
Worin unterscheiden sich Schwerkraftrollenbahnen und angetriebene Rollenbahnen?
Bei einer Schwerkraftrollenbahn sind die Tragrollen frei gelagert und besitzen keinen eigenen Antrieb. Das Fördergut bewegt sich durch ein leichtes Gefälle oder wird manuell angeschoben. Dadurch bleibt die Konstruktion einfach und wartungsarm. Schwerkraftrollenbahnen eignen sich besonders für Arbeitsplätze, für Pufferstrecken sowie für Zu- und Abführungen, bei denen keine aktiv gesteuerte Förderbewegung erforderlich ist.
Bei einer angetriebenen Rollenbahn werden die Rollen motorisch bewegt. Dadurch lässt sich das Fördergut automatisch entlang der Strecke transportieren. Solche Systeme kommen vor allem dann infrage, wenn längere Förderwege überwunden oder Geschwindigkeit und Materialfluss gezielt gesteuert werden sollen.
Welche Variante die richtige Wahl ist, hängt vor allem davon ab, ob eine einfache passive Transportbewegung ausreicht oder der Prozess einen aktiv gesteuerten Materialfluss erfordert.
Für die zuverlässige Funktion einer Rollenbahn ist aber nicht nur die Antriebsart entscheidend. Auch die Dimensionierung und Anordnung der Tragrollen muss zum Fördergut passen.
Wie beeinflussen Tragrollendurchmesser und Achsabstand die Rollenbahn?
Tragrollendurchmesser und Achsabstand sind wichtige Größen bei der Auslegung einer Rollenbahn. Der Tragrollendurchmesser bezeichnet den Durchmesser der einzelnen Rollen. Der Achsabstand beschreibt den Abstand zwischen den Mittelpunkten zweier aufeinanderfolgender Tragrollen.
Beide Parameter müssen auf die Abmessungen, das Gewicht und die Beschaffenheit des Förderguts abgestimmt werden. Der Tragrollendurchmesser beeinflusst unter anderem die Belastbarkeit und die Baugröße der Rollenbahn. Je nach Fördergut und erforderlicher Tragfähigkeit kommen deshalb unterschiedlich dimensionierte Tragrollen infrage.
Auch der Achsabstand wird passend zum Fördergut gewählt, damit dieses während des Transports ausreichend abgestützt wird. Kleinere oder kürzere Produkte benötigen in der Regel eine entsprechend engere Rollenverteilung, während bei größeren und formstabilen Fördergütern größere Abstände möglich sein können.
Welche Lasten können Rollenbahnen transportieren?
Die mögliche Belastung einer Rollenbahn lässt sich nicht allein über das Gesamtgewicht des Förderguts bestimmen. Entscheidend ist auch, wie sich dieses Gewicht auf die einzelnen Tragrollen verteilt.
Dabei spielen insbesondere Rollendurchmesser, Rollenlänge, Achsabstand und die Anzahl der gleichzeitig belasteten Rollen eine Rolle. Liegt ein Produkt auf vielen Tragrollen auf, verteilt sich die Last anders als bei einem kurzen Fördergut, das nur von wenigen Rollen getragen wird.
Auch die Breite und Form des Produkts beeinflussen die Auslegung. Große oder schwere Güter können beispielsweise von mehreren parallelen Rollenstrecken profitieren, weil sich die Last dadurch auf zusätzliche Tragrollen verteilt und das Produkt stabiler geführt wird.
Bei der Auswahl einer Rollenbahn sollte deshalb nicht nur gefragt werden, wie schwer das Fördergut ist. Ebenso wichtig sind seine Abmessungen, die Auflagefläche und die gewünschte Bauform der Rollenbahn.
Welche Bauformen von Rollenbahnen gibt es?
Rollenbahnen können einspurig, doppelspurig, als Tandem oder mehrspurig ausgeführt werden. Welche Bauform sinnvoll ist, bestimmen vor allem Größe, Gewicht und Geometrie des Förderguts sowie die jeweilige Transportaufgabe.
Einspurige Rollenbahn: die klassische Bauform
Bei einer einspurigen Rollenbahn liegt das Fördergut auf einer durchgängigen Rollenstrecke auf. Diese Bauform eignet sich für klassische Transportaufgaben mit Kartons, Behältern, Werkstückträgern oder anderen formstabilen Stückgütern.
Förderbreite, Bahnlänge und Rollenabstand werden dabei auf das Produkt abgestimmt. Einspurige Rollenbahnen sind deshalb eine vielseitige Lösung für viele Standardanwendungen.
Doppelspurige Rollenbahn: zusätzliche Stabilität
Eine doppelspurige Rollenbahn besteht aus zwei parallelen Rollenstrecken. Dadurch steht eine größere Anzahl an Tragrollen zur Verfügung und das Gewicht des Förderguts kann auf zwei Bahnen verteilt werden. Diese Bauform eignet sich insbesondere für schwerere oder größere Produkte, bei denen eine einspurige Rollenbahn hinsichtlich Stabilität oder Belastbarkeit nicht ausreicht.
Tandem-Rollenbahn: für breite und sperrige Produkte
Bei einer Tandem-Rollenbahn verlaufen zwei Rollenbahnen mit größerem Abstand parallel zueinander. Breite Produkte können dadurch an zwei definierten Bereichen abgestützt werden, während der Raum zwischen den Bahnen frei bleibt. Das ist beispielsweise bei großen Platten, Behältern oder anderen sperrigen Fördergütern sinnvoll. Gleichzeitig kann der freie Bereich einen Zugang zum Produkt von unten ermöglichen.
Mehrspurige Rollenbahn: flexibel bei besonderen Anforderungen
Mehrspurige Rollenbahnen kombinieren mehrere einzelne Rollenstrecken. Dadurch können Produkte an mehreren definierten Punkten abgestützt oder mehrere Fördergutlinien parallel geführt werden. Diese Bauform bietet besonders viel Flexibilität bei komplexeren Produktgeometrien oder Anwendungen, bei denen unterschiedliche Spurbreiten und Rollenabstände erforderlich sind.
Wofür werden Rollenbahnen eingesetzt?
Rollenbahnen eignen sich besonders für den Transport formstabiler Stückgüter über definierte Strecken. Ihre einfache Funktionsweise macht sie vor allem für Aufgaben interessant, bei denen keine komplexe Produktführung erforderlich ist.
Typische Anwendungen sind:
- Zu- und Abführen von Kartons, Behältern oder Werkstückträgern
- Transport zwischen Montage- und Arbeitsstationen
- Pufferstrecken innerhalb von Produktionsprozessen
- Kommissionier- und Versandbereiche
- Wareneingang und Warenausgang
- Übergaben zwischen einzelnen Prozessschritten
- Transport großer oder sperriger Produkte auf mehreren Spuren
Die Unterseite des Förderguts ist ein entscheidender Faktor für den Einsatz einer Rollenbahn. Unebene, sehr weiche oder instabile Produkte lassen sich auf frei drehenden Rollen in der Regel weniger zuverlässig transportieren als Güter mit einer ebenen und formstabilen Auflagefläche.
Worauf kommt es bei der Integration einer Rollenbahn an?
Eine Rollenbahn ist meist Teil eines größeren Arbeits- oder Materialflusses. Deshalb müssen nicht nur Rollen und Förderbreite zum Produkt passen, sondern auch die Einbindung in die vorhandene Umgebung.
Wichtige Faktoren sind beispielsweise Arbeitshöhe, Bahnlänge, Übergabepunkte und der verfügbare Platz. Seitenführungen können das Fördergut auf der Bahn halten, während ein geeigneter Unterbau die Rollenbahn auf die erforderliche Höhe bringt.
Auch die Übergabe zu Maschinen, Förderbändern oder weiteren Rollenbahnen sollte bei der Planung berücksichtigt werden. Je besser Höhe, Ausrichtung und Rollenabstand an den Übergabepunkten aufeinander abgestimmt sind, desto gleichmäßiger lässt sich das Fördergut von einer Station zur nächsten bewegen.
Wie lässt sich die passende Rollenbahn auswählen?
Ausgangspunkt ist immer das Fördergut. Länge, Breite, Gewicht und Unterseite bestimmen, welche Rollen, welche Förderbreite und welcher Achsabstand sinnvoll sind.
Die folgenden Fragen helfen bei der Auswahl:
- Welche Abmessungen hat das Fördergut?
- Wie schwer ist das Produkt?
- Ist die Unterseite stabil und ausreichend eben?
- Wie viele Tragrollen sollen das Produkt gleichzeitig abstützen?
- Welcher Achsabstand ist dafür erforderlich?
- Reicht eine einspurige Rollenbahn aus?
- Wird für schwere oder große Produkte eine mehrspurige Bauform benötigt?
- Welche Bahnlänge und Arbeitshöhe sind erforderlich?
- Sind Seitenführungen, Unterbau oder weitere Ergänzungen notwendig?
Je genauer diese Parameter bekannt sind, desto gezielter lassen sich Bauform, Rollendurchmesser und Achsabstand auf die Transportaufgabe abstimmen.
Welche Rollenbahnen bietet Montech?
Montech bietet mit den Rollenbahnen RB4020 und RB5025 modulare Schwerkraftrollenbahnen für unterschiedliche Produktgrößen und Belastungen. Förderbreite, Achsabstand und Bahnlänge lassen sich auf das jeweilige Fördergut abstimmen. Zusätzlich stehen einspurige, doppelspurige, Tandem- und mehrspurige Ausführungen zur Verfügung.
| Rollenbahn von Montech | Geeignet für |
| Rollenbahn RB4020 einspurig | kleinere und leichtere Fördergüter |
| Rollenbahn RB5025 einspurig | größere und schwerere Fördergüter |
| Rollenbahn RB4020 doppelspurig | leichtere Fördergüter mit höherem Bedarf an Stabilität und Lastverteilung |
| Rollenbahn RB5025 doppelspurig | größere und schwerere Fördergüter mit höherem Bedarf an Stabilität und Lastverteilung |
| Rollenbahn RB4020 mehrspurig | mehrere Fördergutlinien oder besondere Produktgeometrien bei leichteren Fördergütern |
| Rollenbahn RB5025 mehrspurig | mehrere Fördergutlinien oder besondere Produktgeometrien bei größeren und schwereren Fördergütern |
| Rollenbahn RB5025 Tandem | breite oder sperrige Fördergüter |
Die Rollenbahn RB4020 arbeitet mit Tragrollen von 20 mm Durchmesser. Je nach Ausführung sind Achsabstände von 31 bis 132 mm möglich; die Traglast beträgt bis zu 9 kg pro Rolle und nimmt bei größeren Rollenlängen ab.
Die Rollenbahn RB5025 besitzt Tragrollen mit 50 mm Durchmesser und ist auf größere und schwerere Fördergüter ausgelegt. Die Rollen können mit bis zu 20 kg pro Rolle belastet werden, der wählbare Achsabstand liegt je nach Ausführung zwischen 62 und 200 mm.
Für schwere oder großvolumige Güter stehen doppelspurige Varianten zur Verfügung. Die Tandem-Ausführung der Rollenbahn RB5025 ermöglicht Förderbreiten bis 2025 mm und eignet sich damit auch für besonders breite oder sperrige Produkte.
Mehrspurige Systeme können individuell hinsichtlich Bahnbreiten, Rollenabständen und Bahnlängen geplant werden.
Ergänzend lassen sich die Rollenbahnen von Montech unter anderem mit Seitenführungen und Unterbauten kombinieren. Damit können sie gezielt an Produkt, Arbeitshöhe und Anlagenlayout angepasst werden.
Die passende Rollenbahnlösung für Ihre Anwendung
Mit den Rollenbahnen RB4020 und RB5025 bietet Montech unterschiedliche Lösungen für verschiedene Fördergüter und Belastungen. Welche Ausführung zur konkreten Anwendung passt, lässt sich mit dem Online-Konfigurator von Montech einfach ermitteln.
Nach Eingabe der Abmessungen und des Gewichts des Förderguts erkennt das System die relevanten Anforderungen und schlägt automatisch eine geeignete Rollenbahnvariante vor. Diese kann anschliessend weiter auf die jeweilige Anwendung abgestimmt werden.
Bei besonderen Produktabmessungen oder komplexeren Anforderungen unterstützt Montech gerne auch persönlich bei der Auswahl und Auslegung der passenden Rollenbahnlösung.